Lokalrunde – taz Podcast aus Hamburg und Berlin

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Tod in der Psychiatrie

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Ein Kamerunter hat im Hamburger Universitätsklinikum Hilfe gesucht und den Tod gefunden. William Tonou-Mbobda starb, nachdem Security-Mitarbeiter ihn verprügelten. Welche Rolle spielt Rassismus und wie gehen Sicherheitsmitarbeiter mit psychisch Kranken um? In Berlin wird derweil weiter besetzt: Der Senat sitzt eine Wagenplatz-Besetzung solange aus, bis die Arschkarte beim Investor liegt.


Kommentare

Katharina Schipkowski (Lokalrunde-Host)
by Katharina Schipkowski (Lokalrunde-Host) on
Hallo Justice For Mbobda, wir haben uns große Mühe gegeben, das äußert komplexe Thema aus verschiedenen Perspektiven auszuleuchten. Das war nicht ganz einfach, was auch an der Kommunikation der beteiligten Konfliktparteien liegt. Ein Thema journalistisch zu bearbeitet, bedeutet aber immer, alle Informationen kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört auch, Zeugenaussagen nicht einfach für gegeben zu nehmen. Wir haben aber in keinem Moment die Erzählung übernommen, von Mbobda sei eine Gefahr ausgegangen, sondern die Frage aufgemacht, ob eine Bedrohung von ihm ausgegangen sein könnte, obwohl er einfach nur auf einer Bank saß, wie wir deutlich sagen. Dass eine Bedrohung von schlecht ausgebildeten Securities ausgeht, haben wir auch deutlich problematisiert. Die Unterstellung, dass wir unreflektiert die Machtinteressen der Verantwortlichen reproduzieren, ist ziemlich weit hergeholt.
Justice For Mbobda
by Justice For Mbobda on
Eure Reproduktionen der Deutungshoheiten der Täter*innen von "Fehlwahrnehmung" von Zeugen über den "Generalverdacht Rassismus" vs (allgemeine?) "Gefahr durch Psychiatriepatienten" bis hin zu der Relativierung der Tötung (umgangssprachlich - nicht juristisch[!]: MORD) durch vorher nicht diagnostizierte Konditionen der Getöteten ist unsäglich dissonant! Rassistische Vorurteile wirken nicht nur explizit 'gewollt', sondern auch schon und gerade "unbewusst" (beste Ausrede schlauer aber unreflektierter Weißer Menschen!) - wenn selbst Ihr als "progressive" Menschen das nicht reflektieren könnt, brauchen wir das von den Verantwortlichen Institutionen und Ermittlungsbehörden erst recht nicht erwarten...oder? Wir führen diesen Diskurs explizit nicht auf einer juristischen, sondern einer Ebene kontinuierlicher Erfahrungen. Diese Perspektiven der betroffenen Communities im Stile verharmlosender Deutungshoheiten der Täter*innen kleinzureden oder vom Tisch zu wischen, hatten wir doch schon beim NSU...oder nicht? Ein Schwarzer Mensch wurde durch Gewalttäter einer weißen Machtstruktur getötet - dabei ist es vollkommen unerheblich, ob dieser Mensch tatsächlich einen Herzfehler hatte (der vorher nicht diagnostiziert worden sein soll?! - in einem Universitätsklinikum!). Er wäre ohne diese Gewaltanwendung eben nicht dort verstorben...oder? Eure Übernahme der Deutungshoheit einer solchen Täter-Opfer-Umkehr spiegelt sich auch in der 'bereitwilligen' Annahme, dass der Getötete "aggressiv" und eine "Gefahr" gewesen sein soll. Auch hier stellt sich die Frage, ob die objektive Tötung dadurch 'gerechtfertigt' werden kann oder soll? Welche "Gefahr" da genau vorgelegen haben soll, hinterfragt Ihr dabei nicht einmal - auch weil es dazu nämlich überhaupt keine Aussagen der Täter*innen und Verantwortlichen gibt! Mbobda hat NIEMANDEN angegriffen oder gar verletzt - Mbobda war nicht "auf der Flucht" - Mbobda hat die Medikation abgelehnt, weil bereits eine allergische Reaktion auf ein Medikament mit diesem Wirkstoff hatte (und ein Bruder von ihm bereits an einer allergischen Komplikation verstorben war) - wurde er also getötet, um ihn 'vor sich selbst zu "schützen"'? Was für ein "Schutz" soll das bitte sein? Versucht Euch einfach mal in die Position der Betroffenen zu versetzen und informiert Euch bei den Psychiatrieerfahren, bevor Ihr das nächste Mal so unreflektiert die Machtinteressen der Verantwortlichen reproduziert! Das ist unerträglich arrogant und verletzend! Und...damit macht Ihr Euch zum Teil des Problems!

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Über diesen Podcast

Was geht in Hamburg und Berlin – auf den Straßen, an den Kneipentresen und in den Parlamenten? Katharina Schipkowski (taz Nord) und Erik Peter (taz Berlin) sprechen über das politische Stadtgeschehen.

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